Pfingsten 11

Begeisterung sieht anders aus

Vater: Junge, Du wirst langsam größer. Ich glaube, ich muss Dir langsam etwas beibringen, was für Dein Leben wichtig ist.
Sohn: Ich habe mich schon gewundert, dass Du mir ein Bier bestellt hast.
Vater: Es ist mal ein Gespräch unter Männern!
Sohn: Ich bin ganz Ohr.
Vater: Pass auf. Ich erkläre dir jetzt, wie Du in guter Weise durchs Leben kommst. Stell Dir vor, du hast schwer gearbeitet, aber nicht um Geld zu verdienen, sondern weil Du für andere Leute etwas tust. Was denkst Du, was hast Du davon?
Sohn: Ich weiß nicht. Vor allem weiß ich nicht, worauf Du hinauswillst.
Vater: Meinst Du, dass irgendjemand Sich bei Dir bedankt?
Sohn: Ich weiß doch nicht.
Vater: Wenn Du für Geld arbeitest, dann hast Du was auf der Kralle. Dann kannst Du Dir ein Bier kaufen, ein Auto, ein Haus. Was bekommst Du für den Dank der Leute?
Sohn: Na kein Auto. Der Pfarrer sagt sicher schon mal, für ein Bier bin ich zu klein. Gestern, als ich dem Hausmeister in der Schule geholfen habe, haben meine Freunde gesagt: Ich sei schön blöd. Sie sind alle weggerannt, nur, weil ich zu langsam war, blieb mir nichts anderes übrig als ihm zu helfen.
Vater: Da hast Du aber schon viel gelernt. Das sind wichtige Erfahrungen. Hey, was will denn die Kleine da?
Sohn: Ach das ist doch nur die kleine Bauer. Sie ist auch Konfirmandin. Jetzt kommt die auch noch.
Ally: Hey Niklas, weißt Du was? Der Pfarrner hat gesagt, wir sollen zu Pfingsten den Brunnen schmücken. Das hätten die Konfis früher auch gemacht!
Sohn: Das passt mir eigentlich gar nicht. Ich habe sooo viel zu tun. Ich muss meinem Vater helfen?
Ally: Was denn?
Sohn: Ähm… woher soll ich das wissen?
Vater: Also ich halte mich da raus. Der Pfarrner hat ja sicher nicht gesagt, dass die Väter das machen soll.
Ally: Nein, sag mal Deinem Sohn, dass er mitmachen muss.
Vater: Das kann ich doch nicht für ihn entscheiden. Was meinst Du denn, Großer?
Sohn: Hm, ich weiß doch auch nicht.
Mutter: Ich glaube, mein Hamster bohnert! Jetzt sitzen die beiden hier und trinken Bier wie zwei alte Männer. Der Hof ist noch nicht gekehrt, der Rasen nur zwei m² gemäht, während ich mich abschinde und Eure dreckige Wäsche wasche. Wer dankt mir das? Ich knalle euch gleich alles vor die Füße.
Vater: Wir sind doch dabei.
Sohn: Mit Begeisterung haben wir angefangen und haben nur eine Pause eingeschoben.
Ally: Er soll auch noch den Brunnen schmücken?
Mutter: Und was ist? Warum bist Du nicht dabei?
Sohn: Ich weiß nicht.
Mutter: Warum sagst du nichts, Mann?
Vater: Es ist doch seine Sache. Er braucht Stunden bis er etwas fertig macht. Da kann ich doch nichts dafür! Ich bin mit Begeisterung bei den Arbeiten, die getan werden müssen.
Mutter: Ich sehe es. Begeisterung sieht anders aus. Und jetzt ab. Der Kleine bekommt mir kein Bier, bis das Grüne hinter den Ohren abgefallen ist. Los geht’s…
Vater: Manchmal kann man leider auch nicht durchhalten, was man für richtig hält!

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