Pfingsten 9

Rentner 1: Hey, du kehrst ja auch schon wieder am Freitag die Chaussee? Du hast wohl nichts zu tun?
Rentner 2: Komm, früher hast du auch am Sonnabend gekehrt und machst es schon am Freitag.
Rentner 1: Das mache ich heute, weil ich so mit euch einen Schwatz halten kann. Und es kommt am Freitag eher jemand vorbei, als sonnabends früh. Morgen Vormittag fahren ja alle nur mit dem Auto in die Stadt.
Rentner 2: Also du kehrst, damit jemand vorbeikommt. Na ja. Du hast ja Zeit.
Meine Frau wartet da hinten schon, dass ich fertig werde. Sie meckert wieder, wenn ich mich so lange unterhalte.
Rentnerin 1: Sie kann ja auch herkommen und muss nicht am Türstein stehen bleiben.
Ich habe es auch lieber hinter mir. Am Sonnabend muss dann noch der Hof gekehrt werden. Das reicht dann für einen Tag. (zu Rentner 1:)
Aber ich frage mich immer, warum du mit 84 Jahren noch die Chaussee kehrst und nicht dein Enkel.
Rentner 1: Mein Enkel ist jetzt noch unterwegs. Morgen früh muss er ausschlafen. Aber vor allem, bis ich erklärt habe, wie es zu machen ist, habe ich schon fast den Gehweg gekehrt.
Ich habe ja Zeit. Und ich habe keine Lust mich mit ihm auseinanderzusetzen. Da macht man sich nicht beliebt.
Rentnerin 1: Das letzte habe ich wieder nicht verstanden. Jetzt kommen schon wieder solche Motorradhorden gefahren. Komm schnell her, sonst erwischen sie dich noch. Moment. Wir warten, bis sie vorbei sind.
Rentner 1: Das ist ein Krach. Ich meinte, dass ich keine Lust habe, mit ihm rumzumeckern. Da mache ich es lieber gleich selbst. Aber sagt mal. Seht euch das an. Dort das ist ein Saustall. Unsere Nachbarn haben seit einem Jahr nicht gekehrt. Da liegt noch die Streu vom Winter.
Rentner 2: Und die Kippen gucken schon aus dem Gully, der kann sie nicht fassen, die sie alle reingeschmissen haben.
Rentnerin 1: Die können doch nichts dafür. Dass sind doch „Pflasterschisser“ – Städter.
Rentner 1: Das ist eine Schande für unser Dorf. Wie schön war es früher. Da haben noch alle vor ihrer Haustür gekehrt.
Rentnerin 1: Weiß das Dein Enkel?
Rentner 1: Na er wird’s schon noch lernen. Ich sag’s ihm aber nicht. Ich mach mich doch nicht zum Affen.
Rentner 2: Und deine Nachbarn, die haben sich schon mal bei der Gemeinde beschwert, dass die Kehrmaschine nicht ordentlich kehrt. Sie bezahlen genug Steuer.
Rentner 1: Selbst, wenn eine käme: Den Gehweg kehrt eine Kehrmaschine nun auch nicht. Es sind eben Städter. Die sind‘s nicht anders gewöhnt. Woher sollen sie es wissen.
Rentnerin 1: Ich sage es ihnen aber nicht! Das sollen andere machen. Wir haben doch einen Bürgermeister, eine Gemeindeverwaltung. Ich rege mich unnötig auf.
Rentner 1: Ich erst. Es ist eben ganz schlimm. Heute taugen die Leute alle nichts mehr.
Ich habe immer so eine Wut in mir. Nicht das einfachste klappt hier. Wie soll das dann noch mit den Leuten aus Syrien und Afghanistan klappen?
Rentnerin 1: Das frage ich mich auch.

Schreibe einen Kommentar