Martinstag 4

Erzähler 1: Vor vielen Jahrhunderten gab es in Rom einen mächtigen Kaiser. Sein Reich war riesengroß. Um das Reich es zu beherrschen hatte er eine große Armee. In den Ländern, die er besetzt hatte gab die Armee den Ton an .
Wer schnell reich werden wollte, der wurde Soldat. Es war zwar gefährlich ein gefährlicher Beruf, aber man konnte viel Beute machen.

Erzähler 2: Und der Kaiser wußte, solange die Soldaten den Leuten genug abnehmen konnten waren sie zufrieden und führten seine Befehle aus. Und so ließ er viel Unrecht zu.

Nur sehr sehr arm waren die Menschen in diesen Ländern. Sie waren vor nichts sicher. Und weil bei den Kämpfen so viel zerstört wurde und die Soldaten den Menschen vieles wegnahmen , hatten viele Familie nichts mehr zu essen, vor allem, wenn es Winter und kalt wurde.
In solch einem Land, in dem große Not herrschte, war auch Martin Soldat.

Martin:    Still gestanden!   Wegtreten !

Soldat 1: Endlich haben wir es geschafft.

Soldat 2: Warum bist du so geschafft. Gerade heute hat es sich doch gelohnt. Sieh her: Eine Goldkette, Geld, alles das habe ich einem Mann abgenommen. Ich habe es ihm an der Nasenspitze angesehen, daß er etwas versteckt hatte. Er hat seine Kinder vorgeschickt, die sollten mir etwas vorjammern.

Soldat 1: Ja, ja, das ist ein Gefühl, wenn einem die Leute die Füße küssen. Man muß eben stark und hart sein. Die Sklaven in Rom, die gehorchen schon längst nicht mehr so.

Soldat 3: Was sollen sie auch machen. Wir sind Soldaten des Kaisers! Wer sollte uns etwas anhaben.

Soldat 2: Weißt du , wie ich’s mache? Ich gehe immer zu den gleichen Leuten. Ich sage  ihnen: Wenn ihr mir Geld gebt oder zu Essen, dann bin ich euer guter Freund! Ich sorge dafür, daß euch kein römischer Soldat behelligt. Und dann geben sie. Neulich hat sich einer geweigert mir Schutzgeld zu geben. Dem habe ich kräftig eine ausgewischt. Jetzt gibt auch er, was er hat!

Martin: Solchen Schutz möchte ich nicht haben.

Soldat 1: Nimm einen Schluck von dem Wein! Aus einem guten Keller. Ein Mann wollte ihn  vor mir verstecken.

Soldat 3: Ha ha, das fehlte gerade noch: Sie haben nichts zu essen, aber Wein trinken wollen sie.

Martin: Den Leuten geht es ja auch erbärmlich!

Soldat 1: Was regst du dich auf? Die haben’s doch nicht besser verdient. es ist eben ihr Schicksal, nicht so gut dran zu sein.

Soldat 2: Martin, du bist kein richtiger Soldat. Dein Vater war ein richtiger Mann. Den hat es nicht geschert, was andere Leute anging. Und er ist reich wie sonst kaum jemand.

Erzähler 1: Eigentlich ging jeder den Soldaten aus dem Weg. Vor allem wenn sie getrunken hatten, waren sie unberechenbar. Nur wenn jemand gar nichts mehr hatte, dann versuchte er es doch einmal an sie heranzutreten.

Bettler kommt heran.

Soldat 3:  Was willst du denn hier?

Bettler verbeugt sich ganz tief: Verzeiht mir die Störung!

Soldat 1: Du siehst doch, dass wir gerade Würfel spielen! Du kannst mit spielen um dein Leben. Oder hast du etwas anderes einzusetzen?

Bettler: Meine Kinder, meine Familie, wir sind alle am erfrieren. Wir haben kein zu Hause mehr.

Soldat 2: Hau ab Alter!

Martin: Hättet ihr ihm doch etwas gegeben!

Soldat 1: So einem? Einem von unserem Volk sicher.  Die sind es doch nicht wert.

Soldat 2: Gibst du einem etwas, wollen alle anderen auch etwas. Was hilft das schon. Ein Mensch mehr oder weniger auf der Welt. Es ist eben Schicksal!

Erzähler 2: Die Nacht kam, es wurde dunkel. Nur der Mond ließ den Weg erkennen. Martin ging in sein Nachtquartier, nachdem er sein Pferd abgestellt hatte. Auf einmal erschrak er mächtig.

Bettler: Gebt mir etwas! Es ist nicht für mich allein. Wir erfrieren!

Erzähler: Da nahm Martin seinen Mantel, zerschnitt ihn mit seinem Schwert und gab ihn dem Bettler!

Martin: Nimm ihn! Er wird dich vor dem Erfrieren retten!

Bettler: Der Herr möge es dir lohnen. Er gebe dir ein langes Leben!

Martin: Was meint ihr damit?

Bettler. Ich meine Jesus von Nazareth. Er sagte: Selig sind die sanftmütigen und selig seid ihr , wenn ihr barmherzig seid. Er führt Menschen, aber nicht auf den Weg der Gewalt!

Martin: So einen König suche ich schon lange.

1. Soldat: He , Martin! Mit solchem Gesindel gibst du dich ab?

2. Soldat: Was hilft es denn, wenn du so einem etwa gibst?

3. Soldat: Was ist mit deinem Mantel? Und was hat der da an? So einer wärmt sich in einem römischen Mantel?

2. Soldat: Was meinst du, was wird, wenn das im Heer bekannt wird? Du bist verrückt! Du gibst alles auf!

Martin: Lasst das! Hier nehmt mein Schwert! Ich brauche es nicht mehr.

1. Soldat: Was tust du? Du gibst alles auf? Du hättest reich werden können!

Martin: Nein ich mag nicht mehr. Ich möchte einem anderen Herrn dienen!

Erzähler 1: Martin gab seinen Beruf auf. Während die anderen versuchten reich zu werden, teilte er mit den Menschen, was er hatte. Er half den Armen so weit es in seiner Macht stand. Später hat man von ihm gesagt, er hat dadurch, daß er geteilt hat, vielen Menschen in dunkler Zeit ein Licht angezündet, hat ihnen Hoffnung gegeben. Später hat man ihn deshalb zum Bischof von Tour gewählt.