Martinstag 1

1. Szene
Erzähler:
Es war vor langer, langer Zeit, da lebte einmal ein Kaiser. Er war sehr mächtig, denn sein Reich war weit und groß. Er besaß eine Armee, die das Land beschützte. Aber all das reichte ihm nicht aus. Eines Tages hörte er von einem kleinen Königreich im Norden.
Er ließ sich seine Weltkarte kommen. Ja, dort oben lag es. In diesem Land würden die Menschen glücklich in Eintracht und Frieden leben, so hörte er. Ja, dachte er sich, dieses kleine Königreich würde doch noch recht gut zu meinem Reich passen. Ich möchte es besitzen.
So ließ er alle Ritter aus seinem Land versammeln!
König:
(gibt Befehl an seine Ritter, für ihn das Land zu erobern; Begeisterungsschreie bei den Rittern)
Regie zur 1. Szene
ein Thron ist schon aufgebaut, Kaiser zieht unter Fanfare mit zwei Dienern ein, Erzähler beginnt mit der Geschichte, (König spielt pantomimisch dazu) Kartenständer steht schon da, an ihn wird später Karte gehängt; Kaiser schaut sie sich an. Ritter marschieren im Gleichschritt ein.
Übergang zur 2. Szene:
Ritter ziehen ab, Kaiser auch; Thron wird abgebaut, Kartenständer weg oder Karte umdrehen
Erzähler:
So ziehen die Ritter des Kaisers los, hoch zu Roß. Vorn spielt einer die Trompete, und sie rufen “Es lebe der Kaiser”. Gern ziehen sie in den Krieg, um für ihn neues Land zu erobern.
Dann nach einigen Tagen naht die Grenze. Und schon bald erblickt sie ein Wächter aus den Königreich. “Kommt und seht, ein großes Heer vom süden bedroht uns.”
Da packt das kleine Königreich die Angst. Alle Männer sammeln sich und ziehen hinaus zum Feind. Sie kämpfen kurze Zeit, doch es ist zwecklos. Am Abend schon müssen sie aufgeben!
Die Ritter stürmen das Königreich. Der König wird vom Thron gestürzt. Und die Ritter plündern die Häuser und Ställe. Sie nehmen die Tiere und die Wintervorräte, das Korn mit. Sie stehlen den Leuten ihr gespartes Geld und Schmuck, zerstören Häuser und Wohnungen.
So schlecht ging es den kleinen Königreich nie. Bald wurden die Kinder nicht mehr satt. Es kommt eine große Armut und Hungersnot über`s Land.
Wir wollen einmal sehen, wie es den Leuten im Königreich geht!”
(Während den letzten Sätzen wird ein “Feuer” aufgestellt und drei Leute stehen um das Feuer herum, ein Bettler sitzt am Rande)
Szene 2
Dialog zwischen drei Leuten:
unterhalten sich über Missstände,
- einem wurde das Geld, das Ersparte geklaut
- einem anderen wurde das ganze Vieh vertrieben, die Vorräte ausgeraubt…
- dem dritten das Haus abgebrannt, die Frau weggelaufen, nun steht er mit seinen zehn Kindern allein da.
alle drei: Aber zum Glück geht es uns nicht so, wie dem da. Der hat ja fast nicht`s mehr auf dem Leib)
Die Drei verlassen die Bühne, Bettler sitzt allein, wärmt sich noch am ausgehenden Feuer.
Szene 3
Erzähler:
“Es ist spät am Abend. der Bettler sitzt nun ganz allein hier. Wo sollte er auch hingehen. Er besitzt nicht’s mehr. Es ist ihm anzusehen wie sehr er friert. Doch da kommt ein Reiter. Er ist Ritter Martin. Er scheint den Bettler zu sehen. Vielleicht denkt er: Hat denn dieser Mann in dieser kalten Nacht garnicht’s weiter anzuziehen? Haben wir denn soviel Elend über das Land gebracht?
Er steigt ab und nimmt seinen Mantel….”
Martin:
“Hier hast du den Mantel, vielleicht wird er dich ein bischen wärmen.”
Bettler:
Hab dank, der Herr möge es euch lohnen und gebe euch ein langes Leben.
Martin:
Von welchen Herrn sprichst Du?
Bettler:
In seinem Königreich wird keiner sich über den anderen erheben, dort zählt nicht arm noch reich.
Martin:
Erzähl mir doch mehr davon!
Bettler:
Jesus, ein Mann aus einem Land am Mittelmeer besaß kein Königreich, wie du es kennst. Aber doch führte er Menschen, wie ein König, und sie folgten ihm. Er führte sie nicht in den Krieg, sondern zu Gott. Liebt euren Feind, so sagte er und gebt den Armen! Kümmert euch um die, die abseits stehen! Wenn Menschen füreinander sorgen, dann erst wird Frieden sein!”
Martin:
Solch ein König suche ich lange schon. Ihm möchte ich auch dienen!
(umarmen… plötzlich kommen andere Soldaten, machen Lärm und sind betrunken)
Soldat:
“He, Martin, gib dich doch nicht ab mit diesem Gesindel!”
anderer Soldat:
“Was hast Du denn mit diesen Mantel gemacht?”
(großes Gelächter)
Martin:
Ich ziehe nicht mehr mit euch. Hier nehmt das Schwert , ich brauche es nicht mehr.
Soldat:
Aber was wird denn der Kaiser dazu sagen?
Martin:
Ich diene jetzt einen anderen Herrn: