Kirmesspiel 10

Kirmes 2001
( eine fast wahre Geschichte eines alten Kirchenvorstehers)

Junge 1: Schwester, jetzt musst du mir erst einmal erklären, warum du jeden morgen auf das Hühnerhaus klopfst!

Karline: Pst…. Hast Du das etwa mitbekommen?

Junge 1: Na klar, meinst du ich merke nicht, dass du, statt dich zu waschen erst zum Hühnerhaus gehst.

Karline: Du weißt aber auch gar nichts. Die Urgroßmutter hat mir erzählt: Wenn man auf das Hühnerhaus klopft, dann kann es sein, der Hahn kräht oder die Hennen Gackern. Wenn der Hahn kräht, kriege ich bald einen Scheumpfer, wenn die Hühner Gackern, dann muss ich noch warten.

Junge 2 (klein): Schwester, es ist doch bald Kirmes und da kriegst du doch einen Scheumpfer!

Karline:  Was weißt denn du? Wer weiß, wer mich fragt. Ja wenn der August fragen würde!

Mädchen 1: Das wird nichts. Die Mutter meint, der raucht so viel.

Mädchen 2: Außerdem haben die viel zu wenig Acker. Wir brauchen jemanden, der reicher ist. Was sollen wir sonst machen

Junge 1: Nimm doch den Karl, der ist so schön dumm und macht, was du sagst.

Karline: Jetzt reicht’s aber!! Was geht euch das eigentlich an. Kümmert euch um euren Kram.

Mädchen 3: Und wenn du nun doch keinen findest?

Karline: Ich will euch mal eines sagen, ich finde einen, nur damit ich euch endlich los bin.

Mädchen 1: Wenn  ich mal groß bin, dann gibt’s für mich nur einen reichen Städter. Den angle ich mir zur Kirmes. Oder den Friedrich, der ist wenigstens klug – und nicht so ein Pfütschedapper wie ihr!

Karline: Jetzt reicht’s! Wir wollen erst einmal beten: Führe, Herr und leite meinen Gang nach deinem Wort. Bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als bei dir allein kann ich recht geborgen sein.

Alle (laut): Amen

Mutter (kommt mit dem Kleinsten herein): Karline, jetzt kümmerst Du dich mal schnell um die Wäsche, bevor’s in die Schule geht. In vier Jahren kannst du heiraten und bis dahin musst du alles können.

Karline:  Ja, ja, immer ich! Und die Jungs?

Junge: Wir sind noch viel zu klein dazu.
Ich habe den Lehrer gefragt, ob ich bei der nächsten Trauerfeier Läuten kann, damit ich noch ein paar Pfennige für die Kirmes habe.

Mädchen 1: Und, lässt er’s dich machen?

Junge: Er hat gesagt, dass er auch nicht weiß, ob noch jemand stirbt. – Hoffentlich stirbt noch jemand!

Mädchen 1: Du hast es gut. Wo kriege ich ein paar Pfennige her?

Frank: Guten Morgen. Ist die Karline noch da?

Mädchen 3: Der schon wieder!

Mutter: Warum kommst du schon so früh bei uns vorbei?

Frank: Nun ja, bei uns kräht der Hahn immer früher als bei euch. Wir sind schon fertig.

Mutter: August, mir schwant da etwas. Sag mir bloß nicht, dass du die Karline fragen willst, ob sie die Kirmes mitmacht.

Frank: Nun ja, Ihr habt nur Ziegen, wir haben Ziegen und sogar eine Kuh. Die Karline ist ein hübsches Mädchen, und ich bin ein hübscher Kerl. Warum nicht.

Mutter: Aber du rauchst! Leute, die Rauchen kommen mir nicht ins Haus.

Frank: Nun ja, was ist denn da so schlimmes dabei. In der Schule bin ich zwar auch nicht der Beste gewesen, aber was ich anfasse, das ist gemacht.

Mutter: Ich habe mich schon erkundigt, weil sie mir gesagt haben, dass du ein Auge auf die Karline geworfen hast. Im letzten Jahr hast du ganz schön getrunken…

Frank: Das war einmal. Aber hinten im Hof, da kann ich Euch mal das ganze Holz hacken. Das liegt ja schon eine Ewigkeit rum.

Mutter: August, du weißt, dass wir keinen Mann im Hause haben. Wir brauchten jemanden, der die Kartoffeln mit rausholt. Die Kinder sind ja zu so was noch nicht zu gebrauchen.

Junge: Aber eine Fahrt mit dem Karussell kannst du uns doch spendieren.

Mädchen: Und Zuckersteine esse ich gerne!

Frank: Wir wollen mal sehen. Ich kann euch da schon helfen. Vielleicht bringe ich noch den jüngeren Bruder mit zur Kartoffelernte. Der ist auch ein guter Arbeiter.

Karline: Was machst du denn hier?

Mutter: Na was wird er schon wollen…

Karline: Hat er etwa wegen der Kirmes gefragt?

Mutter: Na was sonst?

Karline: Und? Du hast doch immer gesagt: Wer raucht, kommt mir nicht ins Haus!

Mutter: Nun ja, wenn er nicht gerade zwei linke Hände hat… Das Holz da hinten wird gehackt… beim Kartoffelroden haben wir Hilfe – das ist nicht schlecht. Mag er halt rauchen…

Karline: Das hätte ich nicht gedacht. Aber was wird mit den Kirmeskleidern?

Mutter: Eins nähe ich dir. Und dein Döt (Pat), der Schneider im Spittel, der kann dir auch was machen. Was meinst du, warum ich dir einen Schneider als Paten ausgesucht habe.

Frank: Komm, ich muss auf die Arbeit. Das Stück zur Schule gehe ich noch mit.

Mädchen: Wenn ich ehrlich sein soll: Du bist zwar nicht der Friedrich, aber lieb hab ich dich doch… und wenn schon meine Mutter nichts dagegen hat, so soll’s werden.