Martinstag 3

Die Heilige Elisabeth als Thema zum Martinstag

 

1. Szene:

Hofdame 1: Das haben wir noch nicht erlebt, dass eine vierjährige an unseren Hof gebracht wird, um später Landesherrin zu werden.

Hofdame 2: Wieso? Es ist zwar etwas hart für die Kleine, aus Ungarn zu kommen und die Eltern zu verlassen. Aber etwas besseres für die Herrschaft auf der Wartburg kann es nicht geben. Sie wird so erzogen, wie man das wünscht: Sie lernt unsere Sprache, sie lernt sich wie eine Herrscherin zu benehmen und sie tut dann alles, was die Familie von ihr verlangt.

Hofdame 3: Dort kommt sie! Ach, sie ist ja noch ganz klein. Aber den weg von Ungarn hierher scheint sie gut überstanden zu haben und ihre Dienerinnen sind ebenfalls dabei. Gehen wir sie zu empfangen.

Hofdame 1: Herzlich willkommen Hoheit!  Ihr werdet es gut bei uns haben! Wir stellen euch gleich Herrmann vor, eurem Verlobten, dem Sohn des Landgrafen…. Kommt mit.

2. Szene

Erzähler: Elisabeth gewöhnte sich nur langsam an die neue Familie. Sie lernte jedoch sehr eifrig. Besonders der Unterricht beim Priester beeindruckte sie sehr. Sie kannte die Geschichte von Martin, der den Mantel teilte, von Franziskus, der auf allen Reichtum seiner Familie verzichtete, um den Armen zu helfen. In der Bibel kannte sie sich überaus gut aus.

Elisabeth: Lest einmal, was hier steht.

Priester: Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

Elisabeth: Wisst Ihr, was bei uns los ist? Wir leben hier so gut und haben alles. Unten in der Stadt hungern die Kinder, sie haben nichts und wir geben nichts ab.

Priester: Seid nicht so laut. Eure Schwiegermutter ist unglücklich über Euch. Ihr widersprecht ihr so oft. Nachdem Euer Schwiegervater und Euer Verlobter gestorben ist, sieht sie zu, wie sie euch loswerden kann. Sie hat schon gesagt, dass Ihr und dem Hof Eure  Anschauungen nicht gefallen. Ihr sagt zu laut, was Ihr denkt. Haltet euch lieber zurück!

Elisabeth: Wie sollte ich schweigen, wenn ich sehe, was geschieht. Ich kann nicht mit ansehen, wenn die einen in Saus und Braus leben und die anderen nicht wissen, wie sie überleben sollen.

Priester: Leise! Redet nicht so laut. Ich weiß ja, dass Ihr recht habt, aber Ihr müsst erst einmal an euch denken.

3. Szene

Erzähler: Eigentlich hatte Elisabeth großes Glück. Weil sie so offen redete und am Lebensstil des Adels keinen Gefallen fand, war sie am Hof nicht sehr beliebt.
Doch der etwas jüngere Bruder Ihres Verlobten, der Landgrafensohn Ludwig, d. IV. verliebte sich in sie.
Als sie 14 Jahre alt war, wurde eine prunkvolle Hochzeit gefeiert. Sie bekam drei Kinder.
Alle waren der Meinung, dass sie nun das tat, was man von ihr erwartete: die Kinder groß ziehen und für die Adligen Feste organisierte und zur guten Laune beiträgt.
Um ihre Kinder hat sie sich gekümmert, aber um das Leben auf der Wartburg nicht, denn sie hatte wichtigeres zu tun.
1125 und 1126 waren zwei verheerende Hungerjahre.

Elisabeth: Kommt her, ich will euch helfen. Wie geht es Euch?

Arme Frau: Meine Kinder haben nichts mehr zu essen. Ich kann es kaum ansehen, wenn sie nach Brot schreien und ich ihnen nichts geben kann.
Mein Kleines ist krank.

Elisabeth: Ich habe euch Brot mitgebracht. Teilt es unter eure Kinder auf. Ich hoffe in einer Woche wieder zu kommen. Bis dahin nehmt dieses Geld. Es wird euch helfen, auch wenn das Brot ganz teuer ist.

Arme Frau: Herrin, ich weiß nicht, wie ich euch danken soll! Wo nehmt ihr denn das viele Geld her, mit dem ihr die Armen speist?

Elisabeth: Fragt nicht so viel! Gott segne euch! Es kann nur noch besser werden.

Arme Frau: Gott segne euch auch!

Elisabeth: (zum nächsten Bettler) Hier, ich habe noch etwas. Nehmt es! Was machen eure erfrorenen Füße?

Bettler: Sie schmerzen, aber ich denke, so lange ich den Schmerz spüre, bin ich noch am Leben. Ich würde so gerne arbeiten, aber es geht wirklich nicht.

4. Szene

Erzählerin: Sie half den Menschen, soweit sie konnte. 1226 versorgte sie täglich 900 Menschen mit Nahrung. Während ihr Mann nicht zu Hause war, verkaufte sie Teile ihres Schmuckes und ihrer Gewänder. Außerdem verwendete sie Gelder aus der Staatskasse um die schlimmste Not zu lindern. Ihr könnt euch vorstellen, dass das auf der Wartburg gar nicht gern gesehen wurde.

Hofdame 1: Was haben wir uns da angetan mit dieser Ungarischen Königstochter. Sie lässt sich nicht umstimmen. Nur eines tut sie: Sie kümmert sich um die Armen. Und wir, wir hatten schon lange kein Fest mehr. Außer Essen und Trinken, was bleibt uns?
Ich habe keine neuen Kleider mehr bekommen, keinen neuen Schmuck. Wisst ihr, wie es früher war.

Hofdame 2: Ihr habt sie miterzogen. Ich kann mich noch entsinnen, wie ihr meintet, dass es das beste ist, wenn wir sie selbst erziehen.

Hofdame 3: Wer hätte denn gedacht, dass sie sich nicht umstimmen lässt. Sie hört ja nicht auf uns.

Heinrich Raspe: Ihr habt ja so recht! Aber mein Bruder Ludwig tut ja nichts gegen sie. Er unterstützt diese Verschwenderin noch. Was gehen uns die Bettler an? Sie sollen sehen wo sie bleiben.
… Ludwig.
Ihr müsst etwas tun. Es kann nicht sein, dass das meiste Geld für die Armen ausgeben wird. Was ist mit dem Bau der Wartburg. Was ist mit den Kontakten zu den anderen Herrscherhäusern?

Ludwig: Meine Frau tut, was nötig ist. Sie verteilt Brot. Wenn die Hungersnot vorbei ist, dann gehen wir an die anderen Dinge.

Hofdame 1: Landgraf, Majestät, wenn ich mir erlauben darf etwas zu sagen: Hier auf der Wartburg sind alle gegen eure Frau. Sie verleumden sie, man macht sich lustig über sie. Man wird es nicht hinnehmen, wenn sie Euer Geld den Armen verschenkt. Geht ihr nach und seht es doch selbst!

Ludwig: Ich werde es tun.

5. Szene

Ludwig: Elisabeth.
So spät seid Ihr noch unterwegs? Man sagte mir, dass ihr heute schon zum dritten mal hinuntergeht zum Hospital. Denkt ihr nicht an unsere Kinder, an eure Aufgabe als Landesherrin?

Elisabeth: Wie könnte ich das vergessen? Ich gehe nur in die Stadt.

Ludwig (Heinrich Raspe tritt dazu): Man sagte mir, dass ihr nicht nur Brot verschenkt, sondern auch Geld, das dringender gebraucht wird als für die Armen.

Heinrich Raspe: Schaut doch nach!

Ludwig: Was habt Ihr in dem Korb? Etwa Geld oder Schmuck aus meinem Haus?

Elisabeth weigert sich den Korb zu öffnen. Ludwig nimmt den Korb und öffnet ihn und findet Rosen.

Ludwig: (erstaunt) Rosen – das Symbol der Liebe.
Elisabeth geh deiner Wege. Ich will dich nicht wieder bei deiner Arbeit behindern. Du tust, was Gott gefällt.

6. Szene

Erzähler: Elisabeth galt bei den Adligen als große Verschwenderin. Diese wollten nicht verstehen, dass so viel Geld für die Armen ausgegeben wurde.
Aber tun konnten sie nichts gegen sie, da  der Landgraf Ludwig ihr Tun billigte und es gut fand, was sie tat.
Solange, bis er sich zu einem Kreuzzug aufmachte. Elisabeth begleitete ihn und verabschiedete sich in der Nähe unseres Ortes von ihm. Nach kurzer Zeit starb er 1227.
Elisabeth war damals 20 Jahre alt.
Am Hof änderte sich nun alles, da Ludwigs jüngerer Bruder Heinrich Raspe Landgraf wurde. Auf einmal hatten alle die das Sagen, die gegen Elisabeths Leben für die Armen waren.

Heinrich Raspe: Bringt mir die Elisabeth her.

Hofdame 1: Wollt Ihr es ihr verbieten? Sie ist sehr beliebt bei dem Volk! Das Volk wird sich beschweren. Ich kenne niemanden, der so von den einfachen Leuten verehrt wird.

Heinrich Raspe: Jetzt bestimme ich, was getan wird und es ist unsere Stunde.

Diener: Hier bringe ich Elisabeth. Ihr habt nach Ihr gerufen.

Heinrich Raspe: Elisabeth, schaut mir in die Augen. Wollt ihr weiter so leben wie bisher?

Elisabeth: Wieso nicht. Ich lasse mir von Euch nicht vorschreiben was zu tun ist. Ich tue Gottes Willen.

Heinrich Raspe: Ihr versteht mich nicht. Ihr habt hier nicht mehr viel zu sagen! Entweder Ihr tut, was ich befehle. Oder Ihr verlasst die Wartburg und sehr zu, wo ihr weiterlebt. Ihr seid allen hier auf der Burg verhasst. Sie machen sich lustig über euch – eine Herrin, die alles den Armen verschenkt. Die Armen sollen sich selber helfen.

Elisabeth: Mein Herr, ihr wisst wenig vom Leben der einfachen Menschen. Wenn ihr mich nicht so leben lasst, wie ich bin, hält mich hier nichts mehr.
Ich gehe mit meinen Kindern.

Erzähler: Im Alter von 20 Jahren floh Elisabeth mit ihren drei Kindern von der Wartburg – zunächst mittellos. Auf Drängen einiger Verwandter und ihres Beichtvaters wurde erreicht, dass Heinrich Raspe ihr eine Abfindung auszahlen musste.
Sie nahm aber das Geld und gründete in Marburg ein Krankenhaus für die Kranken, die  in keinem anderen Krankenhaus aufgenommen wurden.
Elisabeth benannte das Hospital nach dem heiligen Franziskus, ihrem großen Vorbild.
Fünf Jahre später verstarb Elisabeth noch ganz jung, aber völlig ausgezehrt von ihrer schweren Arbeit.
Im Volk hatte sie in ihr Herz geschlossen und sie blieb als Heilige über die Jahrhunderte unvergessen