Erntedankfest 12

Dankbar im Alter?

Oma  1: Endlich kommt mal wieder jemand zu mir. Ich habe schon ewig auf dich gewartet.

Oma 2: Du kannst dich ja auch mal zu mir fahren lassen. Du hast doch mehrere Kinder mit Auto.

Oma 1: Du weißt doch, die haben doch gar keine Zeit. Sie kommen am Abend und da wollen sie ihre Ruhe haben.

Oma 2: Und deine Enkel?

Oma 1: Nun, die sehe ich doch nie. Die haben kein Sitzfleisch. Mal kurz sehen sie rein.

Oma 2: Komm lass uns von was anderem reden.

Oma 1: Ich habe schon den Kaffee aufgesetzt. Ich bringe ihn erst mal herein.

Oma 2: Bleib doch erst mal sitzen.

Oma 1: Nein, nein. Lass mich nur.

Oma 2: Hast du den Kuchen gebacken? Er riecht gut.

Oma 1: Den hat mir meine Tochter vom Bäcker mitgebracht.
Ach, Du weißt ja, ich kann ihn  gar nicht mehr genießen.
Der Doktor hat mir gesagt, ich soll mich zurückhalten. Weißt du wie lange ich da im Wartezimmer gesessen habe? Ich musste mich mit allen möglichen Leuten unterhalten, damit die Zeit rumging. Die Tochter war zwei mal da, um mich abzuholen.

Oma 2: Na ja, gut, dass du jemanden hast, der nach dir schaut. Ich muss das immer erst organisieren, dass jemand kommt und Zeit hat.

Oma 1: Meinst  du bei mir ist das anders? Wann haben denn die jungen Leute noch Zeit für die alten. Früher war das alles anders.

Enkeltochter kommt rein: Hallo Oma, ich wollte mal nach dir sehen. Du hast ja Besuch.

Oma 1: Tja, Natalie, endlich schaut mal jemand nach mir. Wir kennen uns ja schon so lange.

Oma 2: Komm, du kannst gleich etwas Kuchen mitessen. Wir schaffen das gar nicht mehr.

Enkeltochter: Naja, ein Stück esse ich, aber dann muss ich in die Musikschule.

Oma 1: Nur noch Hektik ist das heute. So, komm dann geh, denn sonst kommst du zu spät.

Enkeltochter: So eilig habe ich es nun auch wieder nicht.  So ist das immer, wenn ich da bin, schickt mich die Oma wieder weg.

Oma 1: Du sollst doch nicht zu spät kommen. Du nimmst die Sachen immer viel zu ruhig.

Enkeltochter: Ach Oma.

Oma 1: Ich sage dir, diese Welt ist aus den Fugen geraten. Keine Ruhe mehr. Alles läuft gleichzeitig.  Ich denke an die Enkel, was die alles zu tun haben. Der Sohn sagt, die Geschäfte gehen schlecht. Man muss sich um so vieles Sorgen machen. Die Schwiegertochter ist schon richtig rappelich geworden. Jedes Wort von mir bringt sie auf die Palme. Ich muss mich ganz sehr zusammenreißen.
Ja früher, als wir jung waren, da waren wir alle viel dankbarer. Was haben wir uns über ein paar Pfennige oder ein Stück Kuchen gefreut.

Enkeltochter: Ach so , ja, vielen Dank Oma. Der Kuchen hat geschmeckt. Jetzt will ich aber wieder los.

Oma 2: Ja, jetzt beeil dich aber. Los geht’s. Na ja, wir mussten eben noch viel härter arbeiten. Was wir arbeiten mussten, bis wir das Haus fertig wurde. Alles mit der Hand gemacht. Und heute, die jungen Leute, die bekommen alles.

Oma 1: Ich habe dem Enkel wieder 2000 Euro zum Auto gegeben. Er braucht es für die Lehre.

Oma 2: Ich habe gehört, er hat einen Unfall gebaut.

Oma 1: Immer muss man sich Sorgen machen. Naja, ich habe ihm  schon gesagt, was willst du nur machen, wenn ich dir nichts mehr geben kann.

Oma 2:Nun ja, mitnehmen können wir ja auch nichts und erben tun sie es ja sowieso, auch wenn sie es nicht verdient haben. (Pause)

Tochter: Na Mutter, war es schön bei der Frieda? War doch eine gute Idee, dich mal mitzunehmen.

Oma 1: Jaja, wie gut, wenn man mal zusammen kommt. Aber es ist auch gut, wenn man wieder zu Hause ist. Mach‘s gut Frieda.

Oma 2: Mach‘s gut! Bis zum nächsten Mal.

Zur Tochter: Nur gut, dass ich nicht immer mit der Frieda zusammen bin. Wie das die Kinder aushalten.

Tochter: Nun ja, wir halten es ja auch mit dir aus.