Pfingsten 8

Stück zu Pfingsten: Kirchbau

1. Kannst du dir vorstellen, wie die Leute in unserer kleinen Gemeinde seinerzeit eine so schöne Kirche aufgebaut haben?
2. Nicht nur eine! 50 Jahre bevor diese Kirche gebaut wurde, hatten sie schon einmal eine kleinere gebaut. Wie es so ist, in Seligenthal haben sie 11 Jahre gebraucht, bis die Kirche eingeweiht war. In Schnellbach hat das weniger als zwei Jahre gedauert.
1. Das ist ja heut noch so! Vor zwei Jahren wollte der Pfarrer fragen, wann es losgeht mit dem Einbau der neuen Toilette.
2. Und was war?
1. Als er fragte, war alles schon fertig.
Man hat den Eindruck, so schnell wie in Schnellbach gearbeitet wird, kann die Kirchenleitung in Kassel nicht mal die Genehmigung schreiben. Und das Rentamt wundert sich nur noch.
2. Vielleicht liegt das dran, weil in Schnellbach immer viele Feste gefeiert wurden und dann zum Fest alles fertig sein musste.
Vielleicht haben sie seinerzeit beim Kirchenbau schnell gearbeitet, damit sie ein ganz großes Richtfest feiern konnten.
1. Da bin ich mir nicht so sicher! Weißt du was das erste Richtfest für die Kirche gekostet hat? 13 Groschen und sechs Pfennige!
2. Dann haben nur wenige mitgearbeitet und mitgefeiert!
1. Nein , gerade nicht. Ich denke, das war in Schnellbach immer etwas Besonderes: Jeder hat selbst etwas mitgemacht und mitgebracht. Gekauft wurde nur das, was man nicht selbst machen konnte. Da kann man Feste feiern, die würden wo anders vielleicht aus Geldmangel ausfallen.
2. Das war sicher beim Bau dieser Kirche auch schon so.
Es gab ja in Schnellbach nicht so viele reiche Leute, wie in Floh. Also müssen sie den Kirchbau auch auf ihre Art gemacht haben. Ich hätte gern einmal eine Kirchenvorstandssitzung im Jahr 1738 miterlebt.

Kirchenvorsteher 1: Bevil Gäld is dann noch da?
Kirchenvorsteher 2: (Stöhnen) Es gätt knapp zo! Jo, – banns hüht noch so währ be vör faufzg Joarn. Mi Ällervoater hat erzahlt, doaß benn Bau von ner klenne Kirche alles nör 328 Toaler gekost hoat! 196 Toaler hoatte de Schnälicher ufgebroacht.
Kirchenvorsteher 3: Hütchestoag most do met en zoafache räche.
Kirchenvorsteher 1: Doas no au wier net! Oaber de neu Kirche is no moa größer!
Kirchenvorsteher 3: Weißst do boas doamoals de Hoandwärker gekost hoan? Verglich doas moa mit Hüht! Es gät nör noch öms Gäld! Gäld, Gäld, doäs lebe Gäld.
Kirchenvorsteher 2: Es heleft doch nes. Me mosse doas Gäld hoa – doas is es wechtigst. De Kollekte us Hässe is jo net schlächt. Me wonns scho zusommebekomme.
Kirchenvorsteher 2: De riche Lüt in Schnälich kost do on enner Hoand uffgezehl: Huhn, Nothnoagel, Weisheit, Stöffel Simon, Ritzmanns Witwe. Un Bä noch?
Kirchenvorsteher 1: De Engelhat von’ Nesselhof!
Kirchenvorsteher 3: Hör me uff met en Nässelhöfern. Se warn ömmer be uns inner Kirche. Jetzt – - spräche se se könne frei entscheid, bo se in de Kirche gen Jetzt renne se in den Stroth, doa bruch se wenger Kirchegäld zo bezohle.
Kirchenvorsteher 1: Doas sen jo net de goanze Nässelhöfer so gizgk – nör e poar.
Kirchenvorsteher 3: De reiche me schonn!
Kirchenvorsteher 4: Da mosse me abe en Börgemeister enuffscheck!
Kirchenvorsteher 1: Unn – bevill honn me in Opferstock?
Kirchenvorsteher 2: De onnere Joar warn’s ömmer zwösche vier on oacht Toaler, jetzt is es abbe meh.
Kirchenvorsteher 4: De Landeskirche!….
Kirchenvorsteher 3: Also, of me Gäld von Kasse bruche me net zo hoffe. Doa sehn ich kei Chance.
Bon mes net sälber uffbränge, wörds nes! Me genn awe von Hus zo Hus on sommeln.
Kirchenvorsteher 4: Ö met oerer Sommelei. Doas konn doch net alles sei. De Steeder hon nen Stoadtwald. Jeden Pfännig hole se doa erus! De könne uns doch Bauholz gega, on de Ströther und Flöher au. Me mosse doch net alles keif.
Kirchenvorsteher 1: Do hoast rächt. Ich honn scho e poar Näochter net geschloffe. De Lüht in Dorf kon so vill Gähld net uffgebräng. Boan me nör met Gäld Rächen, wörds nes.
Kirchenvorsteher 4: De Stei wonn in Roths Garte gegroawe. Wasserstei und Stei giehts öwerhoupt genunk.
Me fräche de Lüht, ob de kostelos Stei groawe on in Weiter be de Kirche foarn.
Der ei oder oanner hoat net so vill gähld, oaber här macht vielleicht mit. Ö kennt doch de Schnälicher!
Kirchenvorsteher 2: Me mosse halt säh. boas vör Spende iekomme. En Versoch es’ währt. Vielleicht macht där ei oder onner Hoandwerkeer abbes ömsust för de Kirche.
Kirchenvorsteher 3: Der Stöffel Simon hoat doa von en Töre geschwoatzt. Boan här nes verloangt derför, konne jo sin Nome drufgeschrie.
Kirchenvorsteher 4: Hoffentlich wörd doas abbes. Ich weiß jo net?!?

1. Ob ihr es nun glaubt oder nicht, die Rechnung des Kirchenvorstandes ist aufgegangen.
Hätten sie damals aufs Geld allein gewartet, würden wir wahrscheinlich heute noch an einer Kirche planen. Sie mussten zwar 120 Thaler borgen und später zurückzahlen.
Aber es gab später noch eine ganze Menge Leute, die kräftig spendiert haben:
Die Familie Engelhaupt hat z.B. die Kanzel spendiert.
Und die Kirchenältesten haben noch ein paar Flöher gefunden, die dann auch noch mitgeholfen haben: den Oberstahlschmied Werner Jung und seine Frau Catharina die unseren schönen Taufstein anfertigen ließen.
2. Vielleicht war das sogar sehr gut für die Gemeinde. Wenn man selbst mitgebaut hat, ist einem die Kirche vielleicht auch viel mehr wert.
Ich denke, mancher muss das heute erst wieder lernen: Es gibt in Schnellbach nicht die Kirche, sondern eigentlich immer nur unsere Kirche!

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