Pfingsten 4

Stück 2011  Sag was Du willst!

Oma: Komm setz dich her. Ich mach dir Frühstück…

Sohn: Das musst du doch nicht.

Oma: Komm jetzt her, du musst etwas essen und den guten Kaffee von mir trinken. Wenn du schon mal kommst.

Sohn: Komm setz du dich lieber mal her. Du findest immer keine Ruhe. Der Kaffee reicht mir schon. Lass das andere doch.

Oma: Ach, du weißt doch wie das ist. Die Arbeit hört nie auf. Eigentlich ist es mir ja viel zu viel… Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie es mir manchmal geht.

Sohn: Jetzt komm aber mal,  wir sagen dir seitewigen Zeiten, du sollst kürzer treten.

Oma: Du hast gut reden. Wer kehrt denn die Straße? Wer bringt um das Haus alles in Ordnung, wenn ich das nicht mache? Zu meiner Zeit war das noch anders. Da hat die Großmutter noch nicht mal was gesagt und wir sind gesprungen. – Nicht so wie bei deinen Kindern! Damals wurde nur einmal etwas gesagt. Wenn  es nicht gleich getan war, hat es geraucht. Kein Widerspruch…

Sohn: Jetzt warte erst mal. So verkehrt sind deine Enkel nun auch wieder nicht!

Oma: Machen die denn, was man von denen verlang t?  Sie haben doch immer anderes zu tun. Und wenn – wollen sie es denn machen. Ich lass es lieber, sie um etwas zu bitten.
Bei uns war das eben noch anders. Mir war es damals auch nicht recht und ich war sauer, aber ich habe es keinem gesagt und es mir nicht anmerken lassen. Ich habe immer gemacht, was man von mir verlangt hat.

Sohn: Und wie man sieht, nicht nur das, was man verlangt hat, sondern noch viel mehr als nötig ist.
Deswegen bist du auch so verbittert. Du kommst nicht zur Ruhe.

Oma: Na, so bin ich nun mal und manchmal koche ich innerlich vor Wut.

Sohn: Über wen? Über dich?

Oma: Über alles, über Euch, diese Welt…

Sohn: Mutter, wollen wir denn, dass unsere Kinder wie Befehlsempfänger sind?
Ich finde, in der heutigen Zeit müssen sie lernen nein zu sagen: Wenn die Vertreter kommen, die Freunde sich um ihren Verstand saufen, wenn ein Kerl kommt, der alles verspricht und nichts hält… Besser ist, sie sagen erst einmal nein, bevor schlimmeres passiert.

Oma: Jaja, es könnte aber auch mal richtig rauchen. Was du sagst, das müssen sie eben machen und nicht nur faul und frech sein.

Sohn: Mutter! Ich gebe mir alle Mühe. Außerdem, so sind sie nun auch wieder nicht.

Oma: Komm… Früher war alles anders.

Sohn: Früher wäre es vielleicht auch besser gewesen, wenn Du mal nicht einfach alles mitgemacht hättest.

Oma: … Ein bisschen hast du ja auch Recht. Ich habe mich allem angepasst und bei deinem Vater wäre es besser gewesen, ich hätte rechtzeitig dagegen gehalten, wäre selbstbewusst gewesen und hätte gesagt, was nicht geht. Vielleicht wäre er dann noch da…

Sohn: Es ist schon schwierig.

Enkeltochter: Was ist schwierig? Geht es um uns? Ihr habt es noch immer schwer mit uns…

Sohn: Frag deine Oma.

Oma: Naja, mir wird die Arbeit halt manchmal zu viel. Aber Ihr seid ja immer unterwegs oder sitzt vor dem Computer und könnt halt nicht helfen. Und heute habt ihr ja sicher bis 12 geschlafen.

Enkeltochter: Oma, wenn Du mir eine Freistellung schreibst, komme ich jeden Morgen statt des Matheunterrichts zu Dir. Ich glaube, da ist mir keine Arbeit zu schwer.

Sohn: …Nanana…

Enkeltochter: Spaß beiseite. Sage es, was du nicht mehr schaffst. Wenn du Wickelkütz bäckst, mache ich doch alles.. .

Sohn: Siehst du das ist ja sogar ein Angebot. Sage was du brauchst und erkläre es. Vielleicht geht es ja doch.

Oma: Bevor ich mich so aufrege und einen Herzinfarkt bekomme muss ich wohl doch vorher Bescheid sagen,

Enkeltochter: Schön wäre es.