Kirmesspiel 19

Kirmesstück 2011

Mann: Andere Leute haben es gut. Die können feiern, während ich arbeite.

Frau: Wollen wir wenigstens mal heute weggehen? Die Arbeit bleibt doch liegen bis morgen. Sie läuft Dir doch nicht weg!

Mann: Hast Du eine Ahnung. Du müsstest mal an meiner Stelle stehen. Du hast es ja gut, du gehst auf die Arbeit. Um 16 Uhr hörst du auf. Dann gehst du raus. Die Arbeit ist erledigt. Am Wochenende kann die Welt untergehen und keiner kriegt es mit! Deinen Job möchte ich haben.

Frau: Jetzt mach es aber mal halblang. Ich schaffe es einfach in acht Stunden, während du 20 Stunden brauchst. Wir Frauen sind strukturiert und nicht so chaotisch.

Mann: Frau, du nervst und hast gut reden. Wenn alles in geordneten Bahnen läuft ist es ja auch kein Problem. Aber sieh Dir das an. Was ich alles bei mir angesammelt habe. Zwei Mahnungen vom Finanzamt, die laufende Arbeit, das nächste Wochenende muss organisiert werden, hier sind zehn Rechnungen, die noch nicht bezahlt sind…

Frau: Du hast doch Leute, die das machen können. Lass sie ihre Arbeit machen.

Mann: Den Karli, soll ich das machen lassen? Du hast keine Ahnung. Es ist überall so wie in unserem Verein. Wenn ich es nicht mache- das pure Chaos. Jeder spielt verrückt. Der Max spielt sich auf. Ihm ist nichts recht, aber er macht nicht einen Finger krumm. Die Anna tut sich wichtig und erzählt allen, wie unmöglich ich bin, wenn nicht alles perfekt ist.

Frau: Na und?
Naja, du hast schon recht. Es nervt. Sie können es alle nicht. Manchmal denke ich was soll nur noch werden, wenn wir das alles nicht mehr machen.

Mann: Sage ich ja! Wenn wir mal nicht mehr sind, fällt hier alles zusammen.

Frau: Halt, da…, siehst du sie – unsere Freunde, wie immer: Sie gehen schon wieder los. Wenn es ums feiern geht, dann sind sie die ersten.

Mann: Duck dich! Wenn die uns sehen, denken die, wir haben nichts Besseres zu tun, als am Fenster zu stehen! Komm hier an die Seite… Ich kann sie schon hören, wie sie wieder gilfern…

 

Freund 1: Meinst du wir sollten wieder mal beim Franz vorbei schauen? Eigentlich fehlt er uns ja in unserer Runde. Er kommt ja zu nichts mehr mit. Seine Frau auch nicht.

Freund 2: Wie der früher herumgesponnen hat. Das war noch lustig. Aber seitdem er Vereinsvorsitzender ist und sein neues Auto fährt.

Mann (hinter dem Fenster): Das sollten die Eumel erst mal hinkriegen…

Frau: Pssst…

Freund 1: Eingebildet war er schon immer. Mich hat er neulich zusammengefaltet. Als wäre ich ein Schuljunge, nur weil ich eine Kleinigkeit vergessen habe. Dabei vergisst er ständig etwas.

Freund 3: Komm, ihm ist nichts mehr gut genug. Das hat keinen Zweck.

Mann: Wenn ich die Typen da draußen sehe, wie sie da so laufen. Sie amüsieren sich und ich muss diesen ganzen Mist machen. Ich möchte sie anschreien: Mach erst mal deine Arbeit, du alter Penner und dann kannst Du feiern gehen.

Frau: Stell dich nicht ans Fenster, mach deine Sachen fertig und dann gehen wir auch los.

Mann: Jetzt sag mir mal, wie ich da fertig werden soll, wenn ich mir so was ansehen muss, wie die sich‘s gut gehen lassen und ich schwer arbeite.

Frau: Du arbeitest doch nicht!

Mann: Das ist es grade! Sie halten mich ab davon. Immer muss ich denken, wie schön es wäre, ich könnte sie arbeiten sehen und könnte an ihnen vorübergehen: Na, Ihr habt wohl noch was zu tun. Ihr müsst noch die Straße kehren, ich bin aber schon fertig.
Ach so, und du Klaus, du solltest mal noch die Sachen mit deiner dämlichen Tochter klären, die sich gar keine Platte macht und in der Schule nichts auf die Reihe bringt… Und du Freund, um deinen Sohn… und wenn ihr dann fertig seid, dann könnt Ihr es euch gemütlich machen.

Tochter: Vater, was steht ihr denn so am Fenster. Geht ihr heute auch noch weg? Ich freue mich schon, ich gehe gleich los… der Friedrich kommt gleich.

Vater: Der Friedrich? Noch so einer, der nicht weiß, wie man sich mit Anstand in dieser Welt bewegt. Pass mir ja auf… Habe ich das erlaubt?

Frau: So ein schlechter Kerl ist der doch gar nicht. Musst du immer solche Bemerkungen machen?

Mann: Als ich damals um deine Hand angehalten habe, da habe ich die Sache ernst genommen und bin nicht einfach losgegangen um mich zu amüsieren …

Frau: Du vergisst, dass bei mir damals was unterwegs war, als wir so alt waren.

Mann: Musst du das sagen? Sei ruhig. Das muss sie ja nun nicht gerade mitkriegen. Sonst denkt sie noch, sie kann ihr Lotterleben immer so weiterführen.

Frau: Wenn sie das hört…

Mann: Gerade das habe ich eben zu dir gesagt. Aber nicht mal du hörst mir zu.

Frau: Komm, mach du deine Arbeit, da habe ich wenigstens meine Ruhe.

Mann: Ich weiß schon wie das geht!
Nachher sagt er Pfarrer wieder in der Kirche: Ich wünsche euch eine schöne Kirmes… Er sollte sagen. Ich wünsche Euch zur Kirmes eine schöne Bescherung! Die haben wir!