Erntedankfest 15

Erntedank 2010 – „kleines Klassentreffen“

Mann:  Hallo, schön, dass wir uns mal wieder treffen. Hab dich lange nicht gesehen.

Frau 1: Stimmt, es sind fast fünf Jahre her, seit wir beim Klassentreffen waren.

Frau 2: Aber immerhin haben wir uns wiedererkannt.

Mann: Ja, sag mal, da draußen steht so ein weißer BMW. Ist das deiner?

Frau 1: Ja, ja, das ist der von meinem Mann. Ich wollte heute nicht in meinem Cabrio fahren. Wisst ihr, der ist auf so lange Strecken zu langsam und auf der Autobahn  zu laut. Ich bin übrigens nur zwei Stunden von zu Hause hierher gefahren.

Frau 2: Nicht schlecht. Als ich mal mit dem Zug in Nähe von Dir gefahren bin, habe ich 5 Stunden gebraucht.

Frau 1: Du fährst Bahn? Das ist ja schrecklich.

Frau 2: Naja, was will man machen…

Frau 1: Bahn… Ich weiß nicht, das ist doch ewig her…dass ich das gemacht habe. Gerade von hier aus… Da muss man ja 20 Mal umsteigen.

Frau 2: Wem sagst du das? Na ja, wenn man eben kein Auto hat…

Frau 1: Was. Wie geht denn das? Früher bist du doch auch gefahren. Traust dich nicht mehr…? Also für mich ist das kein Problem mehr.

Frau 2: Na ja, ich habe halt keine Arbeit zurzeit.

Frau 1: Willst halt nicht. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Musst nicht ständig rumrennen, wie unsereiner. Ich wollte auch schon mal mit 30 in Rente gehen. Und dann endlich mal auf Kosten der anderen Leben statt immer nur Steuern zu zahlen. Weißt du wieviel das ist?

Mann: Erzähl nicht so einen Kram. Du bist gesund, außer wenn du einen Kater hast. Was weißt du schon?

Frau 1: Soll ich dir meine ganzen Leiden erzählen. Die Medikamente kosten mich jeden Monat ein paar hundert Euro. Und trotzdem renne ich den ganzen Tag herum. Sich regen bringt Segen… Naja vielleicht braucht sie ja nicht so viel. Mein Lebensstandart ist hart erkauft. Manchmal frage ich mich schon, ob es sich lohnt, so zu schuften. Ginge mir auch besser, wenn es den Stress nicht gäbe. Vielleicht würde es für uns reichen, auch ein Auto zu haben. Aber die Ansprüche unserer Tochter kommen ja auch noch dazu.

Mann: Du bist weggegangen, dorthin wo Arbeit ist und hast noch einen reichen Mann geheiratet.

Frau 1: Hätte sie doch auch machen können… Die Welt steht uns offen. Trägheit lohnt sich nicht…
Mein Mann sagt immer, vielleicht sollten wir das auch mal machen: eben nicht mehr schuften und uns aushalten lassen.

Mann: Mach‘s mal halblang! Sie ist hier geblieben, weil ich sie die Mutter pflegt und den Vater. Sie wollte sie nicht ins Heim tun. Wer sollte das bezahlen. Dazu noch ein Kind…, vielleicht etwas Pech…

Frau 1: Mal nicht so wehleidig… So war sie doch früher nicht.  Weißt du noch, was wir alles unternommen haben?? … Da hast Du den Ton angegeben. Du warst die Flotteste bei den Jungs.

Frau 2: Was weißt du schon? Nicht jeder, der keinen BMW fährt ist wehleidig. Nicht jeder, der zurzeit keine Arbeit hat, ist ein fauler Typ, auch wenn ich viele kenne, die es so machen.  Vielleicht habe ich Prioritäten gesetzt und hat mich um Dinge gekümmert, die dir vielleicht egal sind.

Frau 1: Vielleicht willst Du gar nicht mehr haben?  Ist ja auch eine Möglichkeit.

Frau 2: Von außen betrachtet, könnte es sein. Aber lass sein. Es ist manchmal ganz anders… Ich beschwere mich nicht….